„... Viele Untersuchungen profaner Wissenschaftler gehen davon aus, dass die in den letzten Jahren besonders praktizierte Einstellung eines hochgradigen Egoismus abgelöst wird durch die Epoche einer neuen Solidarität und eines vertieften Zusammenhalts der Menschen untereinander. Diese noch sehr verletzliche kleine Hoffnung muss von uns gepflegt und gefördert werden.
In diesem Zusammenhang ist es erstaunlich, in welch breitem Maß die Menschen, jüngere und ältere, in der gelebten und geglückten Familie wohl den ersten Wert unter den menschlichen Gütern sieht. Dies gilt auch und besonders für die Jugend (vgl. Shell-Studie 2010). Die Familie ist wirklich hier Urzelle der menschlichen Gesellschaft und in dieser Bedeutung alternativlos. Es ist jedoch erschreckend, in welchem Maß „Familie“ (heute oft identifiziert mit sehr verschiedenen „familialen Lebensformen“) fast total abgekoppelt wird und von Ehe. Es ist aber ein großer Irrtum zu glauben, dass man die Institution „Familie“ auf die Dauer ohne die tragfähige Beziehung der Ehe aufrechterhalten kann. Deshalb brauchen wir in Kirche und Gesellschaft eine riesige Anstrengung, diesen inneren Zusammenhang zwischen Ehe und Familie neu zu Überzeugung zu bringen (vgl. Grundgesetz Art. 6,1). Freilich müssen wir uns dann auch noch mehr bemühen, die in einer ersten Beziehung gescheitert sind, ihren bleibenden Ort und ihre heilende Heimat in der Kirche aufzuzeigen (nicht zu schnell und zu früh verengt auf die bloße Kommunionzulassung Wiederverheirateter Geschiedener). ...“
Karl Kardinal Lehmann,
Predigt zur Jahresschlussandacht 31.12.2010 im Dom zu Mainz